Das familienpsychologische Gutachten ist nach wie vor die kontroverseste Materie im Familienrecht. Erst heute las ich von einem sogenannten (promovierten) Sachverständigen, dass es ja egal sei ob der Sachverhalt richtig widergegeben ist oder nicht. Diese Arroganz, so nach dem Motto „egal wieviele Fehler ich gemacht habe, das Ergebnis ist auf jeden Fall richtig“, führt nicht nur dazu, dass man sich ärgert, sondern eben auch dazu, dass Gutachten in der Bevölkerung einen immer schlechteren Ruf geniessen. Deshalb möchte ich mich heute nochmal mit der altbekannten Frage Familienpsychologische Gutachten ja oder nein auseinandersetzen. Denn oftmals enden eben Verfahren in diesem und damit nicht gut.

Familienpsychologische Gutachten ja oder nein – Die Statistik

Leitner spricht von 75% mangelhaften Gutachten (3/4). Als Entscheidungshilfe, so Werner Leitner, sind diese nicht geeignet.

Ursula Gresser und Benedikt Jordan kommen zu dem Ergebnis, dass „oft“ das Gericht die Tendenz, also das erwartete Ergebnis des Gutachtens, vorgeben.

Das sind sicherlich keine guten Voraussetzungen, um in das Institut familienpsychologisches Gutachten vertrauen zu haben. Man würde daher alleine aus diesen Fakten zu dem Ergebnis kommen, dass man kein familienpsychologisches Gutachten mitmachen sollte.

 

Wann ein familienpsychologisches Gutachten der richtige Weg ist

Es gibt durchaus Konstellationen, in denen ein Gutachten der richtige Weg ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Sachverhalt per se geklärt ist, also nicht viele ungeklärte Behauptungen im Raum stehen, wenn Defizite beim Kind allseits anerkannt sind und wenn Eltern miteinander streiten. In diesen Fällen ist ein Gutachten oft der schnellste Weg, eine Entscheidung pro Elternteil herbeizuführen. Ob diese Entscheidung freilich immer positiv ist, ist eine andere Sache. Niemand kann ein positives Ergebnis garantieren, schon gar nicht wenn zwei Eltern gegeneinander arbeiten. Wer aber ein Ergebnis nicht mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen kann, sollte auch nicht zu diesem Gutachtensmittel raten.

Wenn man ein Gutachten machen möchte oder aufgrund von unstreitigen Verfehlungen in der Vergangenheit oder einem Bestandskräftigen Gutachten nicht um ein solches vorbei kommt, sollte man zumindest bei der Gutachter Auswahl Einfluss nehmen. Benennt einen Gutachter, dem ihr vertraut, einen Gutachter, der euren sozialen und ethischen Hintergrund kennt und beachten kann, einen Gutachter, der Videoaufnahmen der Exploration zustimmt.

Damit wird eine Überprüfung des Gutachtens erleichtert. Ein guter Richter sollte nichts gegen Überprüfung haben. Auch bei der Wahl des Gutachters gilt dies. Denn ein Gutachter, mit dem ihr zusammenarbeitet, wird dem Gericht die Beweisfrage beantworten. Ein Gutachten nach Aktenlage hingegen erfüllt diese Kriterien nicht.

 

Wann ein familienpsychologisches Gutachten vermieden werden sollte

Wenn das Verfahren auf bloßen, unbewiesenen Behauptungen basiert. Dann muss nämlich erst einmal geklärt werden, was der Sachverhalt ist (die sogenannten Anknüpfungstatsachen). Ohne diese Klärung ist ein Gutachten schlicht unverwertbar.

Wenn das Verfahren auf Förderbedarf und Behinderung beruht: Dann sind oftmals eher medizinische Aspekte relevant und weniger psychologische. Hier sollte man sich ggf. von einem spezialisten Beraten lassen. Richter neigen dazu, alles zu ihrem Psychologen zu geben, auch Fälle, die unter das PsychThG fallen und daher nur von einem Psychiater oder Psychologischen Psychotherapeuten betreut werden können.

Wie schon oben gesagt: Ein Gutachten sollte wohl überlegt werden. Fakt ist: Ein Gutachten zu vermeiden ist einfach, ein negatives aus der Welt zu schaffen ist hingegen unendlich schwer.

Wie bekomme ich nun den richtigen Rat:

Nun, fragt einfach Euren Rechtsberater, Anwalt o.ä., was für und was gegen ein Gutachten spricht. Wer nur eine Seite argumentativ abdecken kann, ist kein guter Berater. Ihm oder ihr fehlt der Überblick. Es spricht zwar sehr viel dafür, oft kein Gutachten zu machen, aber manchmal eben kommt man nicht drum herum. Eine sorgfältige Auswertung der Akte ist hier vonnöten.

Was heisst nicht am Gutachten teilnehmen?

Nicht am familienpsychologischen Gutachten teilnehmen heisst nicht, dass es kein Gutachten gibt. Das Gericht muss dann in der Regel ein sogenanntes Gutachten nach Aktenlage beauftragen, d.h. der Sachverständige wertet die Akte aus. Wenn dort nur Lügen drinstehen, wird es schnell klar, was das Gutachten ergeben wird. Daher muss man in einem solchen Fall dafür sorgen, dass viele Beweismittel in die Akte kommen, nicht nur Beweisanträge, am Besten Gutachten, Beratungsbescheinigungen, Therapienachweise, Schulanmeldung, Zeugenaussagen im Wortlaut usw. – was genau hängt von Eurem konkreten Fall ab.

Das Gericht wird dann versuchen, Euch zu hören in der Anhörung. Dort könnt Ihr die Aussagen verweigern, solange der Sachverständige im Saal ist. Das Gericht muss dann den Sachverständigen entlassen. Dieser kann ggf. später den Vermerk des Gerichts begutachten, aber nicht Eure Reaktionen. Euch zu zwingen vor dem Gutachter auszusagen, wäre ein Verstoß gegen das rechtliche Gehör und ist daher unzulässig. Zumindest die Oberlandesgerichte akzeptieren diese Regelung, wichtig ist nur darauf hinzuweisen, dass man nur etwas sagt wenn der Gutachter nicht im Raum ist. Ich empfehle, dass sollte sich das Gericht versteifen, ihr nichts sagt und nur ein Dritter, z.B. der Anwalt die Fragen beantwortet.

 

Nichtteile und Drei-Säulen-Theorie

Ein familienpsychologisches Gutachten basiert auf den drei Säulen Exploration (Untersuchung, Tests, Gespräche) Eltern, Exploration Kind und Mutter-Vater-Kind Interaktion. Wenn Ihr Euch einem Gutachten verweigert, fallen 2 der 3 Säulen weg. Wenn sich das Kind auch noch verweigert (besorgt dem Kind einen eigenen Anwalt, der es richtig aufklärt!), dann fallen 3 von 3 Gutachtensbausteine weg und es verbleibt allenfalls ein wenig Kaffeesatzleserei. Wissenschaftlich ist das jedenfalls nicht.

 

Sich auf Gutachten vorbereiten

Wenn ihr, egal aus welchem Grund, ein Gutachten machen wollt, empfehle ich Euch dringend Euch vorzubereiten. Besucht einen Pädagogen oder Psychologen, der Euch Alternativreaktionen beibringt, wenn Zb. der Vorwurf Überforderung und Gewalt lautet. Solche eine Fortbildung ist kein Schuldeingeständnis. Fürchtet es also nicht, man kann immer dazulernen und sich verbessern. Für einen Psychologen, der euch eine handvoll Stunden sieht, wird es aber sehr schwer, gegen Euch zu schreiben, wenn Ihr mehrere Wochen pädagogisch oder psychologisch begleitet werdet. Es ist ein psychologisches und tatsächliches Argument.

 

Was wenn familienpsychologische Gutachten negativ sind?

Dann könnt Ihr erstmal mein Buch „Fehler in Gutachten erkennen“ zu diesen Problemen in familienpsychologischen Gutachten kaufen und anwenden.

 

Natürlich kann man auch eine methodenkritische Stellungnahme bei Leitner oder Müller-Hahn in Auftrag geben oder eine kritische Gutachtensrezension, die vorallem rechtliche und tatsächliche Fehler eines familienpsychologischen Gutachtens eines Diplom Psychologen und Sachverständigen herausarbeitet.

Natürlich gibt es auch noch die Reihe Fehler in Gutachten erkennen auf YouTube oder den drei Stunden Vortrag. Schaut Euch einfach um!

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