Fördern. Fordern. Freilernen. Das war eine Sondersendung, die ich im Zusammenarbeit mit unserer Schwesterseite Elternlobby.org am Freitag, den 19.06.2020 durchgeführt habe. Eigentlich war es als CallIn-Show mit mehreren telefonischen Interviews gedacht gewesen, doch leider sagten die Anrufer alle kurzfristig ab. Viele haben hier zu viel Angst, mit ihren Ideen und Wünschen Reaktionen von Jugendamt und Schulamt zu provozieren.

Ausgangspunkt unserer Betrachtungen war das Schulgesetz NRW und dort insbesondere §1:

Recht auf Bildung und individuelle Förderung

(1) Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung. Dieses Recht wird nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährleistet.

(2) Die Fähigkeiten und Neigungen des jungen Menschen sowie der Wille der Eltern bestimmen seinen Bildungsweg. Der Zugang zur schulischen Bildung steht jeder Schülerin und jedem Schüler nach Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit offen.

Es ist ein wissenschaftlicher Fakt, dass in Deutschland die Beschulung sehr wohl auf Basis der wirtschaftlichen Lage und Herkunft herrührt. Fördern. Fordern. Freilernen. bleibt da oft Fehlanzeige.

Fördern. Fordern. Freilernen: Corona hat diese Aspekte erst ins Zentrum gerückt

Eltern wollen sich nicht damit begnügen, dass die Schulen in bestimmten Problemvierteln schlecht und unengagiert das Maß der Bildung nicht mehr individuell, sondern eben an einem schlechten Drittel orientiert. Gerade die Corona-Krise hat verdeutlicht, dass Fördern und Fordern nicht stattfindet und daher Freilernen oder Homeschooling eine Alternative darstellen. Fördern ist dabei eine individuelle und damit am Bedarf des Kindes orientiert. Doch viele Eltern berichten, dass Lehrer freimütig einräumen, keine individuelle Förderung durchzuführen. Weder personell noch tatsächlich habe man hier die Möglichkeiten. Verkannt wird dabei in Deutschland auch, dass Fördern nicht nur das Ausmerzen von Schwächen beinhaltet, sondern auch das Fordern, das Stärken von Wissensstärken. Individuelle Förderung würde also dazu führen, dass ein Kind in seinen Stärken und Schwächen unterstützt wird. Stattdessen findet in Deutschland nur eine Schwächenkaschierung statt. In Brennpunktschulen bemisst sich dies zumeist auch eher an der deutschen Sprachkenntnis von Kindern als an sonstigen Fähigkeiten. Wo Lehrer oftmals nicht verstanden werden, ist keine Chance auf Individualität da.

Durch Corona erfuhren Eltern positiv, dass sie unterrichten können. Homeschooling war plötzlich Alltag. Alle Eltern konnten dies und mussten dies können. Gleichzeitig wurde das mangelnde Engagement der Lehrer deutlich, die sich kaum bei Schülern meldeten.

Doch was sind die Alternativen und wie erreicht man sie?

Schulpflicht in NRW und Homeschooling

Das Deutsche Recht kennt nur die Schulpflicht. Dieser §35 in NRW lautet:

§ 34 (Fn 26)
Grundsätze

(1) Schulpflichtig ist, wer in Nordrhein-Westfalen seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder seine Ausbildungs- oder Arbeitsstätte hat. Besteht eine Meldeadresse in Nordrhein-Westfalen, wird dort der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthalt widerlegbar vermutet.

Art. 7 GG lautet

(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.

Das Grundgesetz verbietet also kein Homeschooling. Dies ist nur das Ergebnis der Landesschulgesetze. Denn Aufsicht über das Schulwesen beinhaltet auch Freilernen und Homeschooling.

Für die Einhaltung der Schulpflicht sind übrigends nur die Eltern verantwortlich, nicht der Staat.

Unterschied Freilernen und Homeschooling

Eltern, die mit der Betreuung während der Pandemiezeit nicht zufrieden waren, haben sich mit anderen Schulformen beschäftigt. Diese sind Freilernen und Homeschooling. Anbieter gibt es sogar, die für Schausteller und Diplomatenfamilien Homeschooling anbieten. Homeschooling ist dabei Schule nur zu Hause, also nach festem Stunden- und Lehrplan, nach vorgegebenen Büchern und Materialien. Die Eltern oder Dritte werden dabei zum Lehrer. Freilernen hingegen unterscheidet sich von diesem Ansatz. Beim Freilernen hingegen steht das Kind im Vordergrund. Was das Kind interessiert, wird unterstützt. Wissen eignet sich das Kind selbst an oder jemand vom Fach, der dieses Wissen vermittelt. Eltern besorgen notwendige Bücher, wenn Kinder dies wollen, Informationen und mehr. Der Zeitaufwand ist daher umso größer, die Planbarkeit geringer. Der schulische Ansatz ist, dass die Kinder sich selbst ihr Wissen in der Welt, nicht in einem Klassenzimmer suchen.

Bekannte Freilernquellen

Freilernerquellen gibt es wie Sand am Meer. Ich stelle hier einige vor:

  1. Freilerner Solidargemeinschaft: Ein Verein, der Eltern unterstützt und berät
  2. Antworten auf häufige Fragen
  3. Presse auf Zeit und Deutsche Welle

Insbesondere den Artikel der Deutschen Welle lege ich Euch ans Herz. Er berichtet über die Familie Wunderlich, die im Homeschooling es geschafft hat, dass ein Oberlandesgericht es anerkennt, dass es wichtig ist ob Kinder wissen erhalten, bevor man Sorgerecht entzieht. Diese Entscheidung ist ein Meilenstein.

Fördern. Fordern. Freilernen: Eine Zwickmühle

Für Eltern ist es eine Zwickmühle. Staatliche Schulen sind Schrott, Lehrer unengagiert und nicht bereit Kritik anzunehmen. Oft fehlt auch die Zeit, auf individuelle Bedürfnisse eines Kindes einzugehen. Manchmal hat man auch die Kapazitäten nicht oder erhält nur Fördermittel zur Sprachförderung von Migranten. Trotzdem sind Eltern diejenigen, die für das Wohl des Kindes garantieren müssen. Wie also reagieren, wo doch einerseits eine Freilernerei die Lösung sein könnte, andererseits aber verboten ist?

Eltern lassen sich einiges einfallen. Manche werden bei der Einschulung vergessen, andere ziehen auf dem Papier oder tatsächlich um. Wieder andere schaffen es, mit medizinischen Gutachten eine Einzelfallbehandlung zu erreichen. Allen diesen Lösungen ist es immanent, dass es zeitaufwendig und kräftezehrend ist. Denn der Staat räumt seine Fehler ungern ein. Deshalb hat man ja auch aus Homeschooling oder Heimbeschulung das Lernen auf Distanz gemacht, um den Eltern als Lehrer keinen Adelstitel zu verpassen.

Eltern gehen also Risiken ein – außer sie gehen ins Ausland, wo Homeschooling weit verbreitet ist. Wir dürfen nämlich nie vergessen: In Deutschland reicht es aus, um die Schulpflicht zu erfüllen, dass man anwesend ist. Teilnehmen, Aufpassen oder Mitarbeiten muss man nicht. Lernen muss man auch nichts.

Freilernen oder Homeschooling für Jedermann?

Sicherlich sind Homeschooling und Freilernen nichts für jedermann. Man muss sich Zeit nehmen, Materialien vorbereiten, auch das Geld haben um sein Kind zu fördern. Die Arbeit wird dabei sicher kräftezehrender sein als bereits während der Pandemie erkennbar.

Eltern sehen sicherlich, dass sie etwas erreichen können und wo die Probleme liegen. Der Staat argumentiert ja immer mit den sozialen Fähigkeiten und Kontakten. Verkannt wird dabei, dass man diese auch in Vereinen und Lerngruppen erwerben kann. Heimschule heisst nicht einsame Schule. Eltern sollten einfach die freie Wahl haben, für ihr Kind bzw. ihre Kinder jeweils das individuell beste zu fordern und zu erreichen. Der staatliche Einheitsbrei kann unter dieser Prämisse keine Zukunft haben, zumal der Staat bewiesen hat, dass er  die Schulpflicht nicht garantieren kann. Pandemiepläne gab es nie, Digitalisierung ist im Jahr 2020 immer noch ein Fremdwort.

Daher Eltern an die Macht, und wenn es nur die Macht ist alles beim Alten zu lassen.

 

 

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