Text der Homeschooling Petition – Unterschreiben

Weil wir in den letzten Wochen immer wieder kritische Stimmen hören, was das unfreiwillige „Homeschooling“ in Deutschland dieser Tage betrifft, möchten wir gerne von unseren positiven Erfahrungen berichten und uns für die Beibehaltung des häuslichen Lernens auf Wunsch, auch nach der Coronakrise, aussprechen.

Es geht darum Familien zukünftig ein selbstbestimmteres Lernen zu ermöglichen. Die Einführung einer Bildungspflicht statt einer Schulanwesenheitspflicht kann der erste Schritt in die richtige Richtung sein. Die Coronakrise hat belegt, dass der Staat nicht in der Lage ist, die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen zu garantieren. Einfache, vorhersehbare Entwicklungen erwischen unser Land unvorbereitet und zu Lasten der Kinder. Und dann sollen plötzlich doch die Eltern den Unterricht übernehmen, für den man sie vorher als untauglich eingestuft hat – ein Widerspruch per se.

Das viel gebrauchte Argument, Schule sei unerlässlich zur Schulung von Sozialkompetenz, und die Unterstellung Schulen wären der einzige Ort, um Gemeinschaftserfahrungen zu machen, ist in Anbetracht der unendlich vielen Möglichkeiten außerhalb von Schule und Arbeitsplatz soziale Kontakte zu pflegen, falsch.

Kein Mobbing bei Homeschooling

Angesichts der vielen Mobbingopfer an Schulen ist das Argument, der Schulbesuch sei wichtig für die Schulung der sozialen Kompetenz und werde darum durch eine Schulanwesenheitspflicht sichergestellt, ohnehin sehr fraglich.

Nach Storck (1986), leiden 60% der Schüler unter Schulangst.

Soziale Kompetenzen erwerben unsere Kinder im Verband von Familie, Freunden, Nachbarn, Lerngruppen und sogar in Videochats. Dazu bedarf es keiner Schulanwesenheitspflicht. Schulanwesenheit ist nur eine von vielen Wegen. Die Coronakrise hat beweisen, dass dieser Weg nicht immer gewährt werden kann, nicht zuletzt auch wegen schlechter hygienischer Bedingungen an Schulen.

Das soziale Miteinander kommt ohne einen Schulbesuch nicht zum Erliegen. Ein Schulbesuch kann der richtige Weg sein. Pädagogisch betrachtet ist jedoch jeder Mensch und auch sein Lernverhalten individuell und so sollte es auch nahe liegen, dass nicht für jedes Kind dieser Weg der richtige ist. Schule ist also nicht per se gut oder schlecht, aber sie ist auch nicht für jedes Kind oder Jugendlichen eine tolle Erfahrung, an der er wächst. Was fehlt sind auf die Bedürfnisse des Kindes und auf die Gegebenheiten abgestellte Möglichkeiten. Auch die Flüchtlingskrise 2015 hat gezeigt, dass das Wohl des einen zum Nachteil des anderen gefördert wird.

Homeschooling ist weltweit legal


In fast allen demokratischen Ländern weltweit ist Homeschooling legal.

Auch in den meisten europäischen Ländern ist Homeschooling als Bildungsalternative erlaubt oder zumindest unter Auflagen möglich. Es gibt eine Bildungspflicht, die die Eltern verpflichtet, ihrem Kind Bildung zukommen zu lassen. Das bedeutet unter anderem auch die Nutzung von Fachliteratur, Schulbüchern, Bibliotheken, Medien, Museen und die Interaktion mit anderen Menschen, die über entsprechendes Wissen verfügen. Die Eltern müssen also nicht primär zu allem im Stande sein, was ein Lehrer kann, aber sie müssen sich selbst als Schlüssel- bzw. Vermittlungskomponente von Wissen sehen und sich dieser Verantwortung bewusst sein. Freilich hat auch die Coronakrise gezeigt, dass Lehrer eben nicht zu alledem Imstande sind, wofür sie ausgebildet werden – oder teilweise nicht willens oder technisch ausgestattet. Hört man sich um, gibt es Lehrer, die sich in 7 Wochen 2 mal meldeten, und andere, die sich wöchentlich 2x telefonisch und per Chat meldeten.
In der Menschenrechtsdeklaration der UNO von 1948, von der BRD in den 1980er-Jahren ratifiziert, heißt es in Artikel 26 (3): Eltern haben das vorrangige Recht, die Art der Bildung und Erziehung, die ihre Kinder erhalten sollen, zu wählen. Deutschland aber hält anders als andere europäische Länder an einer rigiden Schulanwesenheitspflicht fest, anstatt es den Eltern zu überlassen, wie und durch wen die Kinder den Unterrichtsstoff lernen.
Hätte die rigorose staatliche Schulpflicht Auswirkungen auf den Lernerfolg, müsste Deutschland in den Pisa-Tests ganz vorne mit dabei sein – was nicht der Fall ist. In Finnland, dem Pisa-Musterland, ist Homeschooling legal. Vorgeschrieben ist dort nur die Bildungspflicht, die durch staatliche Prüfungen, aber nicht durch staatlichen Unterricht nachgewiesen wird.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Entscheidungsteilnahme des Kindes. Ein Kind, das die Schule besuchen möchte, sollte dieses auch dürfen. Ein Kind, das sich dabei unwohl fühlt sollte aber nicht zum Schulbesuch gezwungen werden.
Ursprünglich sollte der Schulzwang lediglich verhindern, dass bildungsunwillige Eltern ihre Kinder nicht in den Unterricht schicken. Das gerade hierzulande immer hochgehaltene Prinzip der Subsidiarität besagt: Der Staat muss erst dann einschreiten, wenn die Privaten versagen. Er muss also schützend eingreifen, wenn zu befürchteten ist den Kindern würde Bildung vorenthalten oder sie würden auf gefährliche Weise indoktriniert. Die Behörden Deutschlands sind aber der Ansicht, dass Bildung und sozialen Kompetenzen ohne die Schule verloren gingen. Vorliegende Studien, die größtenteils in den USA oder Kanada durchgeführt worden sind, zeigen jedoch das Gegenteil und sprechen sich sogar für das Homeschooling und deren positiven Effekte aus.
Nun ist es am Gesetzgeber, die Möglichkeiten moderner und digitaler Bildung zu organisieren und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Schüler die das Homeschooling wünschen dabei von Staat, Schulen und Lehrern sowie mit Hilfe des häuslichen Umfeldes optimal begleitet werden können.

Diese Petition verkennt nicht, dass es bereits gleichgelagerte Ansinnen gab, die unter anderem vom Bundesverfassungsgericht und dem Petitionsausschuss nicht positiv berücksichtigt wurden. Dabei ist den Entscheidungen des Bundestags und des Bundesverfassungsgerichtes eines immanent: Beide unterstellen ohne Zahlen, dass der Staat einer der Schulpflicht immanenten Bildungspflicht nachkommt. Das Gegenteil ist nicht nur durch die Corona-Krise belegt, sondern auch durch die vielen Versuche des Staates, ein durchlässigeres Schulsystem am Schüler orientiert zu schaffen, was oft an fiskalischen Problemen scheitert. Ein Staat, der in der Krise die Bildung ganz aufgibt, verspielt die Zukunft seiner Kinder. Ein Staat, der wie bisher die Schulpflicht an der Sozialkompetenz und nicht an der Bildung festmacht, verkennt, dass fehlende Sozialkompetenz zuhause erfolgen kann, während fehlende Bildung zuhause in der Regel nicht nachzuholen ist.
Da zudem die fehlende Sozialkompetenzen nicht geprüft werden und auch nicht von allen Lehrern vermittelt werden können, muss dem Elternrecht nunmehr der Vorrang eingeräumt werden. Der Staat verliert nicht sein Wächteramt. Er wird weiter gehalten sein, das erzieherische und sonstige Wohl der Kinder zu gewährleisten. Er wird aber nicht mehr die Chance haben, sich hinter einem Schulsystem zu verstecken und tatsächliche Verantwortung für Bildung und soziales Wohl nicht zu übernehmen.

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