Was ist eine Behinderung? Viele stellen sich die Frage, und doch ist die Antwort nicht immer einfach.

Rechtlich ist das ganze im SGB IX definiert:

§ 2 Begriffsbestimmungen

(1) Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.
(2) Menschen sind im Sinne des Teils 3 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.
(3) Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 156 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).

 

Behinderung nach SGB IX

Es geht also um die

  • seelische
  • körperliche
  • geistige
  • Sinnes

-Beeinträchtigung, die die Teilnahme am Leben, an der Gesellschaft längerfristig hindern. Das ist bei Behinderungen in klassischer Hinsicht leicht zu erkennen, geht aber weiter. Denn eine Behinderung ist eben auch ggf. etwas positives, wenn dadurch die Teilnahme am Leben beeinträchtigt ist. Dies kann zB bei hoher Intellizenz oder hoher emotionaler Intelligenz der Fall sein. Relevant ist also vorallem die Frage, ob man normal am Leben teilnimmt oder eben nicht. Wichtig ist: Eine Behinderung ist keine Krankheit.

Behindertenkonvention: Definition Behinderung

Die Behindertenkonvention der Vereinten Nationen („United Nations“, „UN“) stellt in der Präambel darauf ab, dass sich der Begriff laufend weiterentwickelt:

n der Erkenntnis, dass das Verständnis von Behinderung sich ständig weiterentwickelt und dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindem,

Wichtig ist hier der Focus auf die Barriere, die „behindert“. Anders als das deutsche Gesetz liegt also der Focus nicht auf den (angeblichen) Einschränkungen des Menschen, sondern auf den gesellschaftlichen Barrieren tatsächlicher oder emotionaler Art (Vorurteile). Deshalb stellt die Behindertenkonvention vorallem darauf ab, keine Barrieren zuzulassen und Teilhabe zu garantieren. Die Definition von Behinderung ist aber dort definiert als:

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

Auch hier spielt, anders als in Deutschland, die Barriere zu überwinden die zentrale Rolle.

Dieser Definition ist aus Inklusionsgesichtspunkten daher der Vorzug zu geben.

 

Die ganze Playlist zum Grad der Behinderung und mehr findet ihr hier:

 

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